Es ist ein warmer Septembermorgen auf einem Kartoffelfeld ganz in der Nähe von Dahl im Norden Luxemburgs. Mehrere Traktoren mit Anhängern warten darauf, dass eine der drei Erntemaschinen die Kartoffeln abliefert: Die Saison ist in vollem Gange. Marc Nicolay hat dieses Feld gepachtet; insgesamt baut der umtriebige Unternehmer seine Kartoffeln auf 400 Hektar in einem Umkreis von 50 Kilometern an. Sein Hauptsitz befindet sich jedoch im Südwesten des Landes, in Fingig. In den letzten 25 Jahren hat sich der klassische Mischbetrieb mit Milchvieh, Rindern und Weizen zunehmend auf den Kartoffelanbau spezialisiert und dabei neue Verarbeitungsmethoden sowie ein effizientes Vertriebsnetz aufgebaut. In den klimatisierten Lagerhallen in Fingig und Ulflingen werden seit Jahren Kartoffeln verschiedener Sorten gelagert, um den luxemburgischen Markt das ganze Jahr über mit gleichbleibender Qualität zu versorgen.
Die Felder, die Marc Nicolay bewirtschaftet, liegen hauptsächlich im Éislek, sogar jenseits der Grenze, zum Beispiel hier in der Nähe von Dahl oder weiter oben in der Gegend um Ulflingen. Der Boden hier ist weniger lehmhaltig als im Gutland und eignet sich daher besonders gut für den Kartoffelanbau – die vielen Steine im Boden sorgen zudem für eine bessere Wasserableitung, was bei nassem Wetter ein klarer Vorteil ist. Obwohl die Felder mit modernsten Maschinen großer Lohnunternehmen bearbeitet werden, ist dennoch manuelle Hilfe erforderlich; über ein Dutzend Arbeiter helfen beim Sortieren. „Im Ausland sitzt niemand mehr auf der Maschine – nur noch der Fahrer. Das will ich nicht: Wenn man Qualität liefern und den Markt mit frischen Produkten versorgen will, braucht man auch gute Leute …“
Die Weiterverarbeitung der Kartoffeln erfolgt in Fingig: Dort befindet sich eine leistungsstarke Waschanlage, die die Kartoffeln gemäß den Kundenanforderungen von Erde befreit. Anschließend folgt die Kontrolle: Eine videogesteuerte Sortiermaschine erkennt automatisch Kartoffeln mit Mängeln und sortiert diese aus. Gleich nebenan werden die Kartoffeln in Papiertüten oder größere Säcke für Großhandelskunden verpackt und sind damit bereit für die Auslieferung unter dem Label „Produit du terroir – Lëtzebuerger Gromperen“ der Landwirtschaftskammer. Marc Nicolay ist heute der größte Kartoffelproduzent des Landes; jeder in Luxemburg kennt seine „Lëtz Frites“ oder „Lëtz Chips“, die in Zusammenarbeit mit La Provençale verarbeitet werden – ein weiterer Beweis dafür, dass sich das Risiko, in neue Nischen zu investieren, durchaus auszahlen kann.
Der regionale Markt hat mir die Möglichkeit gegeben, mein Unternehmen auf Kartoffeln zu spezialisieren. Ohne unsere treuen lokalen Kunden wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen.







